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Biografie
Nachbar Frans
Frans Bauer ist die niederländische Antwort auf die deutsche
Schlagerkrise. Ein Entertainer, der bodenständige Unterhaltungsmusik
brillant inszeniert. Am 20. Oktober erscheint seine neue deutsche CD:
„Grenzenlos“
Der Schlager ist sein Metier, er liebt diese Sorte Musik, die, aller
Missgunst von Kritikern zum Trotz, nach wie vor zu den beliebtesten Genres
im Unterhaltungsgewerbe zählt: Frans Bauer, geboren am 30. Dezember 1973
in Roosendaal in der niederländischen Provinz Brabant, sagt: „Ich bin
mit dieser Musik aufgewachsen. Und ich liebe sie. Eigentlich kann ich nur
Schlager singen – denn was sollte ich sonst tun? Aber was heißt ‚nur’:
Alles andere käme nicht von Herzen.“
Bauer, ein sympathisch-unaufgeregter Typ von der Sorte, die man gerne zum
Nachbarn hat, weil von dem keine Scherereien zu erwarten sind, einfach ein
netter Mann, weil man ihm nichts Böses zutraut, hat früh gewusst, dass
es das ist, was er will: Schlager singen. Als Kind einer fahrenden Familie
– seine Eltern fuhren, ehe sie bei Roosendaal sesshaft wurde, einen
Wohnwagen und fuhren mit ihm überall hin, wo Arbeit war, vor allem bei
Bauern während der Erntezeit – hörte Bauer diese Schlager, diese
kleinen Stücke, die so viel Lebensfreude in sich tragen, „die von den
Dingen sprechen, die uns berühren“, also die Liebe und Freundschaft und
alles, was von ihnen abhängt.
Als Zehnjähriger schlummerte in Frans Bauer schon alles, was von ihm
heute zu sehen ist: eine übersprühende Lebensfreude und ein Ehrgeiz, der
Berge zu versetzen scheint. Damals noch ein eher dralles Kind, pummelig
und schüchtern, ängstlich gewiss auch, verkaufte er quasi ambulant seine
erste Single wie ein fliegender Vertreter: „Immer von Haus zu Haus. Mal
gefiel es den einen, anderen wieder nicht. Das war hart, doch eine gute
Schule. So lernte ich, worauf es ankam.“ In erster Linie kam er so
seinem späteren Publikum nah – und erkannte, dass es ernst genommen
werden will. Und keine lieblosen Produktionen hören möchte. Nein, so
erkannte schon der ganz junge Frans Bauer, für gutes Geld will es ein
anständiges Produkt.
Frans Bauer sagt: „Viele CDs auch im Schlagerbereich sind nicht so schön
produziert. Alles scheint aus dem Computer zu kommen. Ich denke, das haben
die Menschen nicht verdient. Sie wollen echte Gitarren hören, echte
Geigen, einen echten Bass – so wie meine Stimme ja auch nicht aus dem
Computer kommt.“ Sondern live.
Singen war das Erste, was er lernte – und zwar lange, bevor er
Gesangsstunden nahm. Bis zum sechzehnten Lebensjahr hatte Bauer so wenig
Selbstvertrauen, dass er stotterfrei kaum ein Brot in einer Bäckerei
erwerben konnte: „Für ein halbes Weißbrot brauchte ich manchmal eine
halbe Stunde.“ Kein Wunder, dass man ihn hänselte und seinen Glauben an
eine Zukunft als berühmter Schlagersänger als Größenwahn verspottete.
Mühsam, aber konsequent hat er sich das Stottern abgewöhnt – mit fleißigem
Training: Niemand sollte sagen, dass er das nicht könnte!
Er scheint es allen gezeigt zu haben. Dennoch nimmt er seinen Kritikern,
ja, Spöttern, die bösen Worte von früher heute nicht mehr krumm.
Selbstvertraut sagt er heute: „Ich finde Kritik wichtig. Egal, ob sie
gut gemeint ist oder nicht. Man lernt aus ihr, man setzt sich erst dann
mit sich selbst auseinander.“ Heute zählen seine Shows in den
Niederlanden – wie im Rotterdamer „Ahoy!“ – zu den spektakulärsten
der jeweiligen Showsaison. Kein Bühnenact aus dem Ausland, das räumen
selbst Freunde der Rockmusik ein, sei so gut wie der von Frans Bauer.
Frans Bauer freut sich über solche Komplimente, ist aber zugleich
erstaunt: „Na klar – unsere Show ist monatelang geplant. Das ist doch
ganz normal, dass man eine Vorstellung, wie wir sie uns vorstellen, nicht
kurz vor der Premiere aus dem Hut zaubern kann. Und ich habe keinen
anderen Anspruch als den, dass sich meine Zuschauer wohl fühlen. Dafür
gehe ich gerne aus dem Haus und studiere den Cirque de Soleil oder schaue
mich in Las Vegas um – um die Trends aufzugreifen. Kein niederländischer
Künstler kann sich erlauben, nur vor der eigenen Tür zu schauen.“ Und
so geschieht es denn Show für Show: ein Spektakel, das einer Messe der
Lebenslust gleichkommt, einem Abend, bei dem aus dem Vollen geschöpft
wird – Lichtspiele, Ballonfahrten, eine Bühnenlandschaft, die diesen
Namen verdient, Sänger, die sich nicht hinter einem Playback verstecken,
eine Band, die musiziert und offenbar daran Spaß hat.
In den Niederlanden sind etliche seiner CDs mit Platin (und Gold ohnehin)
ausgezeichnet worden; in Deutschland war er schon zu Gast in der
ZDF-Hitparade, in Shows von Dieter Thomas Heck und in Galas der Volksmusik:
Hits wie „Buenos Dias, weiße Taube“ unterstreichen seine Anwartschaft
auf den Thron des deutschen Schlagers – und er wäre ja nicht der erste
Niederländer, der in Deutschland eine große Karriere macht. „Ich weiß,
dass der Schlager nicht in einer Krise stecken muss. Es gibt genug
Menschen, die Schlager gerne hören – nur die Produkte müssen sie überzeugen.“
Alben wie „Liebesbriefe“ oder „Weil ich dich liebe“ deuteten
ebenfalls an, dass da einer in den Niederlanden lebt, der in Deutschland
nicht versteckt werden sollte.
Und sein neues deutschsprachiges Album, Titel: „Grenzenlos“, beweist
dies: Frans Bauer liefert Erstklassiges. Seine Schlager sind fein
gearbeitet und professionell arrangiert. „Man hört die echten
Instrumente. Bässe, Geigen, Gitarren … Es darf doch nicht sein, dass
das Publikum nur Klänge aus dem Computer bekommt.“ Die
Singleauskopplung „Luftballon“ erinnert an die vorige Show, die im
Rotterdamer „Ahoy!“ für Furore gesorgt hat: ein Flug zur Bühne, bei
dem das Publikum den Atem anhielt – und ein Schlager, der ein Hit zu
werden verspricht.
Seine langjährige Freundin Mariska (und nunmehrige Ehefrau) unterstützt
ihn – wie überhaupt seine Familie das wichtigste ist in Frans Bauers
Leben. Über seine Liebe zu Mariska sagt er: „Man hat nur eine große
Liebe im Leben. Und ich bin glücklich, dass ich sie gefunden habe.“
Ihre beiden Kinder Christiaan (Jahrgang 2001) und Jan (2002) haben Frans
Bauer auch beruflich nur besser gemacht: „Es sind meine Sonnenscheine
– sie sind der Grund meines Lebens, sie sind meine besten Erfolge.“
Überhaupt Erfolg: „Erfolg kann man nicht abonnieren. Wer glaubt,
erfolgreich zu sein, hat schon verloren. Man muss immer weiter an sich
arbeiten. Denn Erfolg ist flüchtig.“ Und das sagt einer, der in seiner
Heimat der bestbezahlte Act des Landes ist: Nur nie ganz zufrieden sein,
nie es sich bequem machen. „Nein, das könnte ich nicht, das ist nicht
meine Art.“
Eines weiß er sicher: Dem Schlager wird er treu bleiben. „Was sollte
ich sonst machen? Rock ist nicht meine Musik, Klassik auch nicht. Die
Bandbreite des Schlagers ist Gott sei Dank so groß, dass es genug
Spielraum gibt, dass es einem nicht langweilig wird.“ Julio Iglesias ist
sein Idol – und der hat ja auch gezeigt, wie man mit sich Schlagern in
der Champions League des Unterhaltungsgeschäfts behaupten kann.
Vielleicht singen sie ja mal wieder im Duett – aber beim nächsten Mal
wird Frans Bauer dann nicht mehr der aufgeregte Schüler sein, dem plötzlich
das Wunder widerfährt, mit dem eigenen Idol aufzutreten, sondern ein
Entertainer, der um seine Magie vielleicht nicht weiß, sie professionell
zu nutzen aber in vielen Jahren gelernt hat.
Ein Idol? Frans Bauer hört das nicht gern: „Auf der Bühne fühle ich
mich wohl. Kein Lampenfieber, nur Bühnenstress. Dort oben ist es wie ein
Akt, besser: wie ein Pakt mit dem Publikum. Den ich aber einhalten muss.
Doch nach dem Konzert bin ich wieder Frans, das ist nicht so förmlich, da
will ich nicht oberhalb von anderen Menschen stehen. Dann schreibe ich
Autogramme, egal, wieviele Menschen eines haben möchten. Und im Hotel
trinke ich dann an der Bar einen Saft – ohne so zu tun, als möchte ich
nicht erkannt werden. Dann bin ich wie die anderen.“ Ein Heiliger, das
sagt er deutlich, „kann ich nicht sein, denn ich lebe ein normales Leben.
Mit meiner Familie, mit meiner Frau, meinen Kindern.“
Und weil er so normal ist, weist er jedes Lob für sein Engagement für
die niederländische Villa-Pardoe-Stiftung von sich. Diese Initiative kümmert
sich um Kinder, die schwer krank sind und nicht mehr lange zu laben haben
– sie werden mit ihrer Familie, ihren Eltern und Geschwistern in die
Ferien eingeladen. Frans Bauer zweigt einen Teil seiner Showeinnahmen aus
dem „Ahoy!“ ab, um diese Arbeit zu unterstützen. „Ich kann das Geld
doch sehr entbehren. Mehr als das, was ich jetzt habe, ist nicht nötig.
Denn mehr als ein Auto, ein Haus, ein Rennrad, eine schöne Stereoanlage
kann ich doch nicht haben – andere benötigen es dringender als ich.“
Ein Typ von nebenan quasi, der sich auf dem Rennrad fit hält, um auf der
Bühne alles zu können, der sich auf seinen Geburtstag freuen kann, weil
es dann wie als Kind Sahnetorte gibt. Frans Baur ist der Kumpel von der
anderen Straßenseite, kein Glamourboy, der auf Distanz hält: „Wenn man
das von mir sagt, ist das das netteste Kompliment.“
(Oktober
2003)
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